Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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50 Jahre Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe

von Ursula Schenker

Neben der Siedlung gibt es seit 50 Jahren die Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, die Nachbarschaften, das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe, den Honterus-Chor, den Siebenbürgische Frauenverein, das Alten- und Pflegeheim Haus Siebenbürgen-Drabenderhöhe sowie den evangelischen Kindergarten.

Gleichzeitig findet am o.g. Wochenende das traditionelle Musikertreffen der Vereinigten Trachtenkapellen aus NRW und Wolfsburg statt, zu dem 180 Musiker erwartet werden sowie aus Österreich die siebenbürgischen Blaskapellen aus Elixhausen und Munderfing.

Als vor mehr als 50 Jahren die ersten Baumaßnahmen begannen, ahnte bestimmt keiner, wie sehr sich das Dorf verändern würde. Es entstand die größte Ansiedlung von Siebenbürger Sachsen außerhalb Rumäniens. Wohn- und Lebensraum für fast 3000 Menschen mit Gemeinschaftsbauten und Einrichtungen für Handel und Gewerbe wurden geschaffen. Die Ankommenden hatten einen Krieg mit seinen schrecklichen Folgen mitgemacht, hatten Evakuierung, Flucht, Deportation und Diktatur erlebt. Am meisten schmerzte der Verlust der Heimat. Die Menschen waren im Irgendwo gelandet, wo sie keiner haben wollte.

Hier in Drabenderhöhe gab es nun die Chance wieder ein neues zu Hause zu finden. Durch den Zuzug der vielen neuen Bewohner veränderte sich nicht nur das Bild des Dorfes mit seinen rund 500 Einwohnern, sondern auch das Leben im Dorf, in der Kirchengemeinde, in den Vereinen und in der Schule. Neue Gemeinschaftsbauten wie Kindergarten (später kam ein zweiter dazu), ein Altenheim, ein Kulturhaus mit Jugendbereich und ein Gemeindehaus prägten das neue Aussehen des Ortes. Viele prominente Gäste, darunter die Bundespräsidenten Carl Carstens (1980), Richard von Weizsäcker (1986), Roman Herzog (1995) und Johannes Rau (2004) waren zu Gast in Drabenderhöhe und wurden von der Bevölkerung begeistert empfangen. Zahlreiche Politiker, fast alle „Patenminister“ von NRW (das Land hatte 1957 die Patenschaft über die Siebenbürger Sachsen übernommen), Besuchergruppen aus dem In- und Ausland, besonders auch aus Amerika und Kanada, kamen und kommen immer wieder gerne nach Drabenderhöhe.

Heute leben Siebenbürger Sachsen nicht nur in dem ursprünglich festgelegten Siedlungsgelände, sondern auch im Dorf und den rund um Drabenderhöhe neu entstandenen Wohngebieten: Hillerscheid, Dahl, Brächen, Perdefeld/Steinbreche und Kahlhambuche. Viele sogenannte Mischehen wurden geschlossen. „Ein ganz besonderer Dank gilt allen Menschen, die sich für das Zusammenwachsen und ein gegenseitig resektvolles Zusammenleben in dem einzigartigen Dorf ‚Auf der Höh‘ engagiert haben“, betont Enni Janesch, Vorsitzende der Kreisgruppe Drabenderhöhe des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, in der Festschrift, die zum Jubiläum herausgegeben wird.

Jochen Hagt, Landrat des Oberbergischen Kreises, betont in seinen Grußworten für die Festschrift, dass die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen Mitte der 60er Jahre ein Geschenk für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung von Drabenderhöhe war. Hier sei es gelungen, eine wichtige Stätte der Begegnung zu schaffen. Das wurde bereits 1991 mit einer Goldmedaille im 1. Bundeswettbewerb für vorbildliche Integration von Aussiedlern in der Bundesrepublik 1991 gewürdigt. Unvergessen ist Robert Gassner, der als „Vater der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung“ bekannt wurde. Er sprach nicht nur von Integration, sondern lebte sie. „Wir sind daheim“, sagte Gassner aus vollem Herzen 1966 bei Einweihung der Siedlung. Diese Worte wurden oft zitiert, haben auch 26 Jahre nach seinem Tod noch Bedeutung.

„Die Siebenbürger Sachsen sind angekommen um zu bleiben“, sagt heute Enni Janesch, die seit 13 Jahren als Vorsitzende die Geschicke der Kreisgruppe lenkt. Die Siebenbürger haben hier Heimat gefunden, üben ihre mitgebrachte Kultur aus, bekennen sich zu den Wurzeln ihrer Herkunft und prägen das Gemeinschaftsleben im Ort mit. Die Älteren erinnern sich gerne und mit Wehmut an ihre Heimat, die sie verlassen mussten – trotzdem möchte keiner mehr hier weggehen. Noch funktioniert alles gut: Die siebenbürgischen Vereine pflegen ihre Tradition und ihr Brauchtum, Veranstaltungen und die Heimatstube (ein kleines Museum) werden gut und gerne besucht.

Im Wohnbereich wird sich in Zukunft gewiss einiges verändern, so Janesch. Viele Menschen, die in den Siedlungshäusern wohnen, sind über 70 Jahre alt. Aber: Verwaiste Häuser stehen nicht lange leer, sie werden schnell wieder verkauft, oft an nichtsiebenbürgische Familien.

Die jüngeren Menschen, die nicht in Siebenbürgen geboren wurden, haben nicht mehr eine so enge Bindung zum Geburtsland der Eltern und Großeltern. Ihre Identifikation mit Drabenderhöhe ist größer und die Zugehörigkeit zum Verband der Siebenbürger Sachsen ist nicht mehr selbstverständlich. Die in der zweiten und dritten Generation in Oberberg Geborenen sehen sich weniger in der Pflicht das kulturelle Erbe ihrer Vorfahren zu pflegen. Trotzdem sei es nach wie vor wichtig, das hierher mitgebrachte Kulturerbe zur Wahrung der siebenbürgischen Identität weiter zu erhalten, betont Janesch.

Der ehemalige Wiehler Bürgermeister, Werner Becker-Blonigen, der während seiner 36jährigen Amtszeit die Entwicklung der Siedlung begleitete, schrieb in seinen Grußworten zum 40jährigen Bestehen der Siedlung: „Heute lässt sich feststellen, dass die Siebenbürger Sachsen in die einheimische Bevölkerung hineingewachsen sind. Sie stellen jetzt gut 12% (heute sind es 15%) der Stadt Wiehl und bilden einen wichtigen integralen Bevölkerungsanteil, auf den wir alle stolz sind.“ Noch wichtiger sei ihr kultureller und gesellschaftlicher Akzent, der heute noch sichtbarer ist als in den ersten Jahren der Eingewöhnung. Ob Musik, Theater, Gesang oder bildende Kunst, alle diese Bereiche werden durch die Siebenbürger in der Stadt Wiehl personifiziert, gefördert und gestaltet.

Im Januar 2014 wurde der Siebenbürgisch-Deutsch-Rumänische Freundeskreis Wiehl-Bistritz gegründet. Im August 2015 unterzeichneten die Bürgermeister beider Städte einen Partnerschaftsvertrag.

Bürger und Bürgerinnen aus der Siedlung haben sich als Stadtverordnete in der Stadt Wiehl und als Kreistagsmitglieder im Kreistag des Oberbergischen Kreises engagiert und werden es auch weiter tun. 2004 wurde Hagen Jobi, ein Drabenderhöher mit siebenbürgischen Wurzeln, zum Landrat des Oberbergischen Kreises gewählt. Während seiner Tätigkeiten als Landrat, MdL, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Wiehl und stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen war ihm das Zusammenwachsen der Dorfgemeinschaft stets ein besonderes Anliegen.

von Dominik Seitz, 1. Vorsitzender des Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 50 Jahre Siedlung bedeutet 50 Jahre Integration und auch 50 Jahre gemeinsame Geschichte zwischen Siebenbürger Sachsen und dem Altdorf Drabenderhöhe. Die Festveranstaltung zum Jubiläum im Juni 2016 hat für uns in Drabenderhöhe eine große Bedeutung. Die Siebenbürger-Sachsen Siedlung in Drabenderhöhe hat nicht nur das Ortsbild deutlich geprägt, sondern schlägt sich auch im sozialen Leben des Ortes nieder.

Die Geschehnisse vor über 50 Jahren waren eine große Herausforderung, sowohl für die Einwohner, als auch für die Zugezogenen. Die Bewohner der alten Ortschaft Drabenderhöhe nahmen die für sie fremden Menschen auf und begriffen das Neue an ihnen als Chance. Die Herausforderungen, die eine Integration mit sich bringt, wurden geschafft. Heute sprechen wir stolz von unserem Drabenderhöhe und packen gemeinsam an, die Zukunft zu gestalten. Dabei haben sich jedoch die unterschiedlichen Traditionen erhalten, und wir blicken stolz auf die verschiedensten Wurzeln.

Die Integration, die hier in der Vergangenheit geleistet wurde, ist sicherlich ein Vorbild für Deutschland und wird im Ort auch zukünftig geleistet werden müssen. Durch politische Ereignisse, die wir nicht bestimmen können, steht Drabenderhöhe wieder vor der Herausforderung, Zugezogene zu integrieren. Die bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen. Unser gemeinsames soziales Netzwerk, welches die Vereine und Kirchengemeinden von Drabenderhöhe stemmen, ist vorbildlich in der Stadtgemeinde Wiehl.

Die Siebenbürger-Sachsen Siedlung ist schon lange nicht mehr ein Wohngebiet nur für Siebenbürger. Menschen unterschiedlichster Herkunft sind oder werden hier heimisch.

Die heutige 50-Jahr-Feier ist somit kein Fest der Siebenbürger Sachsen allein, sondern ein Fest aller Drabenderhöher. Viele Herausforderungen stehen unserem Dorf bevor. Sei es der demografische Wandel, seien es größere Bauprojekte, wie ein integriertes Handlungskonzept, oder eben die Integration von Neubürgern. Nur gemeinsam können wir die Zukunft des Ortes gestalten und eine Brücke zwischen Tradition und Moderne, sowie zwischen allen Menschen schaffen.

„Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ - Die Zeiten ändern sich und wir verändern uns mit ihnen.


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