Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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Weiershagen

Weiershagen liegt im Wiehltal und etwa 6 km von Drabenderhöhe entfernt. Der Ortsname kommt vom althochdeutschen Personennamen Wiro und dem althochdeutschen „hago“, was der eingefriedeten Wohnstätte (des Wiro) entspricht. Weiershagen wurde das erste Mal 1396 als „Wiershaym“ genannt. Ein Johann von Wiershaym steht zusammen mit anderen Rittern und des Johann von Sayn in Fehde mit der Stadt Köln. Damals bestand Weiershagen aus einer kleinen Motte, die in der Nähe der alten Bahnhaltestelle gestanden hatte. Beim Bahnbau 1896 waren noch Mauerreste zu sehen. Um 1820 sollen noch Fundamente und Gewölbe einer größeren Anlage umgeben von sumpfigen Gräben im sogenannten „Ohler Wieschen“ vorhanden gewesen sein.Weiershagen war also ein Rittersitz. Urkunden belegen dies bis in das 15. Jhd:

  • 1461 Jorge, Graf zu Witgensteyn, und seine Frau Elisabeth von der Mark erteilen dem Wilhelm von Wyershaun, genannt Hase, Rezess über seine Rechnungen von Homburg.
  • 1464 ist Wilhelm von Wygerßhain Burgmann zu Homburg (burgmane zu hoymberg) in einer Akte zum homburgischen Grenzweistum als Zeuge genannt.
  • 1470 ist Wilhelm von Wyershan homburgischer Rentmeister des Grafen Gerhard von Sayn (Bestätigung der Begleichung einer Schuld des Grafen).
  • 1471 beurkundet der wittgensteinische Rentmeister Wilhelm von Wiershein zusammen mit dem Notar Johan Sifride von Flamersfeld die Abrechnung der Gemeinde von Nümbrecht

Danach muss die adelige Familie von Weiershagen aufgehört haben zu existieren und der Rittersitz verfiel. In der Mercatorkarte von 1575 ist der Ort zwar noch als Weiershagen ungefähr an der Stelle des späteren Ortsteils Steeg eingezeichnet, wird aber nicht mehr als Rittersitz geführt.

Preussische Katasterkarte von 1832

Der Überlieferung nach soll ein Ritter von Weiershagen, um sein Gewissen wegen einer schweren Untat zu beruhigen, das ihm gehörende Gut Reuschenbach mit allen Ländereien der Kirche in Wiehl vermacht haben. Die Sage überliefert, daß ein Ritter, der in sinnloser Wut seinen Reitknecht, der von der Tochter des Burgherrn geliebt wurde, in den Schmelzofen warf, von Gewissensqualen getrieben im Grabe keine Ruhe finde. Allnächtlich reite der Ritter von der „Hohen Hardt“ durch einen Hohlweg zum Burgplatz, um seinen Frevel für alle Zeiten zu büßen.

Weiershagen vor 1914

In der Sage ist schon ein Schmelzofen erwähnt, der auch auf der Mercatorkarte von 1575 als „Hütte“ eingezeichnet ist. Später wurde sie einfach Weiershagener Hütte genannt. Hier wurden bereits im Mittelalter die Erze, die im oberhalb von Forst gelegenen Bergwerk „Hühnernest“ abgebaut wurden, verhüttet. In einer Urkunde aus dem Jahre 1443 heisst es „Up dem Teghe“ (genauer zu der molen up den teghe, wobei „wiershagen“ durchgestrichen ist - es müsste sich um eine Mühle handeln, die bei Weiershagen an der Eisenhütte gestanden hat). Teghe könnte von mittelhochdeutsch „tegel“ kommen, was auf ein feuerfestes Gefäss hinweist, um darin Metall zu schmelzen. 1593 heisst sie in einer homburgischen Abrechnung über Renten und Gefälle auch „Bertrams Hütte zum Steg“. Im selben Jahr erscheint die Hütte in einem homburgischen Verzeichnis als „Hütte zu Weiershain“ mit einem Betram daselbst und war Wasserzinspflichtig. Bereits 1574 wurde Bertram zum Steg urkundlich erwähnt, als er 10 Fuder des Eisensteinzehnten kaufte, den Peter Voeß zu Schnellenbach im Amte Neustadt für seinen märkischen Landesherren erhoben hatte.

In den Wiehler Kirchenakten ist vermerkt, dass 1682 unter anderem auch die Weiershagener Hütte den halben Zehnten an die Kirche zu entrichten hatte. Aus einem Vertrag aus dem Jahre 1693 geht hervor, dass der Besitzer der Hütte Peter Schmidt aus Anfang bei Drabenderhöhe war. Christian Schmidt aus Anfang, Schwager des Peter Kauert und Sohn des begüterten Kaufmanns Peter Schmidt, war Kanzleirat der Grafschaft Homburg und Bergvogt. Er studierte Rechtswissenschaft und wurde Advokat, übte diesen Beruf wegen anderer Tätigkeiten wohl nicht aus. Er erbaute um 1730 das Burghaus in Bielstein. Er erbte die Weiershagener Hütte von seinem Vater. 1763 betrieb die „Weyerss Hagener Hütten“ die Familie Hackebracht, zu der familiäre Bindungen bestanden. Peter Schmidts Tochter Elisabeth heiratete 1699 Johannes Henrich Hackebracht, Sohn des homburgischen Schultheißen Johann Georg Hackebracht, Besitzer der Börnhauser Burg.

Burghaus in Bielstein

Christian Schmidts Tochter Anna Sybilla Gertrud Schmidt heiratete 1737 den Kaufmann Johann Theodor Möller, Besitzer von Kupferbergwerken und Kupferhämmern. Sein jüngster Sohn Friedrich Carl Hermann Möller erbte nach dem Tode des Vaters den Kupferhammer bei Bielstein und liess sich im Burghaus nieder. Dessen Sohn Johann Friedrich Heinrich Möller wurde dann 1808 zum ersten Bürgermeister der Mairie Drabenderhöhe. Das Burghaus blieb bis zum 17.08.1901 mit einer kurzen Unterbrechung von 1865 bis 1873 Amtssitz der Bürgermeisterei Drabenderhöhe. In einem Adreßbuch aus dem Jahre 1835 erscheint Johann-Friedrich Möller als „Bürgermeister von Wiehl und Drabenderhöhe, Meistbeteiligter der Eisenschmelzhütte zu Weyerhagen. Gußeisen vorzüglicher Qualität und Eisenfabrik in Fußreifen, Hufstäben, Radringen, vier- und achtkäntigem Eisen, und Rundreisen von vier Linien bis zwei Zoll; Betrieb einer Knochenmühle zu Wiehl, in Specie zu Bielstein domiciliert - Bielstein bei der Wiehl“, Karl Möller als „Berliner- und Miniralblaufabrik, Teilhaber der Eisenschmelzhütte zu Weyershagen, in Specie zu Bielstein domiciliert - Wiehl.“ 1836 wurde in der Hütte Roh- und Masseleisen, sowie Kalk erzeugt, jährlich 1 Million Pfund Eisen und 2200 Malter, Kalk im Wert von 20.000 Pfund bzw. 1320 Reichstaler. Beschäftigt wurden in der Schmelzhütte 9, und im Kalkwerk 7 Mitarbeiter.

Weitere Teilhaber waren Johann-Wilhelm Kind aus Hunstig, Johann-Friedrich-Dißmann, Hunstig, Johann-Christian Dißmann, Hückhausen, Christian Deubel, Linden und Kaspar Dick, Wiehl. Bis zum Winter 1862/63 war die Hütte noch im Betrieb und wurde 1873 an die Gebrüder Kauert in Forst verkauft und später abgebrochen. Kalk wurde später wieder abgebaut. Im Jahr 1897 wurde die Firma Wiehlthaler Kalkwerke GmbH gegründet und richtete in Weiershagen einen Betrieb gegenüber den dortigen Kalksteinbrüchen mit einem Ringofen mit Schleppbahn ein. 1909 ging die Firma an die Vereinigte Wiehltaler Kalk- und Ziegelwerke GmbH wegen Liquidation über und wurde bis 1911 betrieben. Zeitweise wurden über 100 Arbeitnehmer beschäftigt. Nachfolger waren dann die Westdeutsche Kalkwerke AG in Köln, die das Unternehmen bis 1919 fortführten. Der letzte Besitzer, ein Dr. Basten aus Geilenkirchen hat den Betrieb noch im selben Jahr auf Abbruch verkauft. Das Fabrikgelände ging späterhin in den Besitz der Firma Kind & Co. über. Die letzten Zeugen des Kalkwerkes, zwei hohe Schornsteine, wurden im Dezember 1933 und im Januar 1934 durch den Arbeitsdienst gesprengt.

Kalkwerk in Weiershagen

1911 wurde der Grauwackebruch am Hömelskopf durch Karl Kohlmeier in Betrieb genommen. Der Steinbruch liegt zwischen Weiershagen und Wiehlpuhl. Der Bruch ist der größte Einzelbruch, der einen eigenen Brecher besaß und aufgrund seiner Lage direkt an der Wiehltalbahn vom Brecher über Silos in die Waggons verladen konnte. 1927 brannte der Fachwerkbrecher ab und wurde durch einen Ganzbeton-Komplex ersetzt. Auch heute noch ist der Komplex des Steinbruches sichtbar. Teile wurden erst in den 1980er Jahren abgebrochen. Seit 1999 steht das Gebiet unter Naturschutz, da sich dort botanische Raritäten angesiedelt haben. 1925 wurde die Kleeborner Grauwackebrüche gegründet. Allerdings hat es dort nur kleinen Abbau gegeben, der schnell wieder aufgegeben wurde, da die Gesteinsschichten handwärts geneigt sind, was den Abbau wiederum sehr erschwerte. 1912 erhielt Weiershagen eine elektrische Lichtanlage mit Bildung einer Lichtgenossenschaft.

Grauwackebruch am Hömelskopf

Mit Niedergang des Rittergeschlechtes von Weiershagen und vermutlich auch durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges geriet der alte Ortsname in Vergessenheit. 1580 wird Weiershagen als Weigershaenn noch einmal genannt. An der Stelle des alten Weiershagen entstand der Ort Steeg oder wurde einfach umbenannt. Der Name Weiershagen blieb über Jahrhunderte in der „Weiershagener Hütte“ auf der anderen Wiehlseite erhalten. Bis zur Eröffnung der Trasse der Wiehltalbahn im Jahre 1896 hatten die Orte im unteren Wiehltal alle ihre Eigenständigkeit bewahrt, doch war man sich in der Benennung der Haltestelle uneins, bis man sich auf Weiershagen einigte. Im Jahre 1902 wurden 12 Orte dann zu einem vereinigt und umfasste die Höfe: Auf der Linde, Bergerhof, Fürberich, In den Weiden, Mühlen an der Wiehl, Kleebornen, Kleebornermühle, Ley, Ohl, Reuschenbach, Steeg, Zur Hardt, sowie die Weiershagener Hütte. Konfessionell gesehen blieb der Ort aber zweigeteilt. Die Orte links der Wiehl gehörten zur Kirchengemeinde Wiehl, später zur Kirchengemeinde Oberbantenberg, die Orte rechts der Wiehl zur Kirchengemeinde Drabenderhöhe. Ursprünglich waren alle Orte dem Kirchspiel Wiehl zugeordnet. Da aber 1697 die Kirche in Drabenderhöhe abbrannte, ordnete Graf Wilhelm Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Homburg in einem Edikt von 1698 an, dass die Höfe Bergerhof, In den Weiden, Kleebornen, Mühlen und Zur Hardt, sowie der Ort Forst fortan zur Kirchengemeinde Drabenderhöhe gehören sollten. Dem Pastor Johannes Haas sollte damit ein besseres Auskommen verschafft werden. Das Kirchengut Reuschenbach mit der Schule und die Rechte auf den Zehnten der Forster Eisengruben verlieben bei der Kirchengemeinde Wiehl. Die Orte Auf der Linde, Fürberich und Kleeborner Mühle existierten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erst 1958 wurde die konfessionelle Einheit von Weiershagen hergestellt. Die Orte Steeg, Ohl und Ley wurden ebenfalls der Kirchengemeinde Drabenderhöhe zugeordnet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Friedhof oberhalb Reuschenbach angelegt. 1935 wurde dort ein Glockenturm als Ehrenmal für die Gefallenen aufgestellt. 1955 wurde in Gemeinschaftsarbeit der Einwohner von Weiershagen und Forst eine Friedhofskapelle errichtet. Im Jahre 1956 erhielt der Ort auch ein Jugendfreizeitheim, das gleichzeitig für kirchliche Zwecke mit Gottesdiensten genutzt wird. Entworfen wurde das Gebäude von Architekt Fritz Pfeiffer. Nach zweijähriger Umbauphase des alten Hauses wurde 1995 ein Glockenturm hinzugefügt und erhielt eine aus dem Jahre 1922 stammende Glocke aus dem siebenbürgischen Belleschdorf. Die Glocke wurde in der Werkstatt der Gebräder Schieb in Hermannstadt gegossen und trägt die Aufschrift: „ Die evangelische Kirchengemeinde A.B. in Belleschdorf unter ihrem Pfarrer Johann Krestel gespendet anläßlich seiner Wiederkehr aus Amerika von Joh. Reinnerth.“

Weiershagen war seit alther auch der Name einer Honschaft, deren Fläche weit über Weiershagen hinausging und auch die Orte Helmerhausen, Forst, Hückhausen und Dreibholz umfasste. In den homburgischen Honschaften existierten sogenannte Honschaftsschulen. Diese befand sich auf dem Gut Reuschenbach. Die Schule wird bereits 1698 genannt. Seit 1970 ist dort der Städtische Kindergarten untergebracht, nachdem der Schulbezirk Weiershagen aufgelöst und mit Bielstein vereinigt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg begann eine rege Bautätigkeit, so dass die ehemaligen 12 Höfe zu einem Ort verwachsen sind. Prägend für den Ort wurde auch der Bau der Autobahn A4. 1973 wurde der Teilabschnitt von Engelskirchen bis zur Anschlussstelle Wiehl/Gummersbach eröffnet. Dabei quert die 60 Meter hohe und 705 Meter lange 1971 fertiggestellte Wiehltalbrücke den Weiershagener Ortsteil Mühlen. Die Einwohnerzahlen der vergangenen Jahre:

  • 1905 501 Einwohner (79 Wohnhäuser)
  • 1961 799 Einwohner
  • 1980 684 Einwohner
  • 1990 785 Einwohner
  • 2000 771 Einwohner
  • 2010 803 Einwohner
  • 2015 779 Einwohner

Heute gehört Weiershagen zu den großen Orten der Stadt Wiehl und hat 797 Einwohner (2014). In Weiershagen sind die Einwohner auch in einigen Vereinen organsiert, wie dem 1907 unter Carl Marsch gegründeten Turn- und Sportverein Weiershagen-Forst (TuS Weiershagen-Forst08 e.V.), der Dorfgemeinschaft Weiershagen e.V. und der seit 1903 bestehenden Freiwilligen Feuerwehr, die 1998 mit Bielstein zusammengelegt wurde.


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