Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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Auf der Schniffel

Schniffel bezeichnet ein Viertel im Ortsteil Scheidt im Bereich an der Alten Kölner Strasse und des Brunnenwegs. Es umfasst die heutigen Häuser Alte Kölner Strasse 5, 7, 9, 11, 15, 17 und 20, sowie Brunnenweg 1a, 1b, 2, 2a, 4, 6, 8, 10 und 12. Die Herkunft des Namens ist unklar. Man könnte mehrere Deutungen heranziehen. Eine Möglichkeit wäre eine Wortpaarzusammensetzung aus dem mittelhochdeutschen „snîwe“ = schneien und „būhel“ = Bühl, Anhöhe, Hügel. Dabei verschleift das „Bühl“ im homburgischen Dialekt wie auch in anderen Geländebezeichnungen wie Steimel (Steinbühl) oder Hömel (Hoher Bühl). Ein anderer Bezug ergibt sich aus dem rheinischen Dialektwort „Schniffel“, was für feinen Regen oder Schnee steht. Ein ähnlicher Ausdruck existiert im Eifeler Höhenzug Schneifel. Dabei soll sich der Begriff aus einem althochdeutschen Ausdruck für Scheide oder Schneise, im Sinne eines ausgehauenen Waldweges entwickelt haben. Interessanter Weise läuft hier die Alte Kölner Strasse entlang, einer alten Handelsstrasse, die früher auch Brüderstrasse hiess und von Köln nach Siegen führte.

Schniffel 2011

Auf den alten Urrisskarten der preussischen Katastervermessung aus dem Jahre 1828 weisen noch weitere Flurnamen auf den Ort hin, wie „Im Schniffelshof“ (Scheidt), „Am Landgraben oberm Schniffelshof“ (Scheidt), „vor im Schniffelsgarten“ (Scheidt), „Im Schniffelsgarten“ (Pfaffenscheid) und „Im Schniffels Schimmelhau“ (Velten – Im Bereich zwischen Brächen und Kaltenbach, am Hipperichsiefen). Am Ortsteil Schniffel verlief nicht nur die alte Handelsstrasse vorbei, sondern auch die frühere bergische Amtsgrenze zwischen Windeck und Steinbach und den späteren Gemeindegrenzen zwischen Much und Engelskirchen. Dabei trennte ein Landgraben, wie zahlreiche Flurnamen beweisen die beiden Ämter. Die Strasse lag noch auf Windecker Territorium. Das einzige Gebäude, welches nicht zur Gemeinde Engelskirchen gehörte und nördlich der Alten Kölner Strasse lag und noch liegt, ist die heutige Hausnummer 20. Alle anderen, vorallem die im 19. Jahrhundert entstandenen vier Häuser, gehörten bereits zum Ortsteil Anfang.

Katasterkarte von 1828

Das Viertel wurde urkundlich zum ersten Mal in den Kirchenbüchern von Engelskirchen im Jahre 1651 als „Uff der Schniffel“ erwähnt. Rohl Lutter war der Taufpate von Johannes Schmidt aus Verr. Schniffel bestand damals nur aus einem Gebäude. Dieses Haus existiert noch heute an der Alten Kölner Strasse und ist neben dem alten Pfarrhaus im Pfaffenscheid eines der ältesten noch stehenden Gebäude in Drabenderhöhe. Hier hat die noch heute in Drabenderhöhe und Umgebung lebende Familie Lutter ihren Ursprung. In den Kirchenbüchern von Drabenderhöhe erscheint 1675 Johannes Lutter „uff der Sniffel“ und war mit Gertrud Weber aus Schnellenbach verheiratet. Dies lässt sich wiederum aufgrund des Mucher Kirchenbucheintrages der Hochzeit im Jahre 1660 feststellen. Vermutlich ist er ein Sohn des Rohl (Roland) Lutter, der im Jahre 1659 verstarb. Es kann davon ausgegangen werden, dass Johannes Lutter noch zwei Brüder hatte. In der Personenaufnahme von 1675 findet sich in Hahn noch ein Heinrich Lutter und in Dahl ein weiterer Johannes Lutter. Seit 1720 ist in Schniffel die Familie Bellingrath nachweisbar. Dietrich Bellingrath war verheiratet mit Elisabeth Höhler aus Scheidt. Er selber stammte wahrscheinlich aus Bellingroth bei Ründeroth. Vermutlich gab es um die Zeit bereits zwei Wohngebäude in Schniffel. Dies würde auch die bergische Huldigungliste von 1731 belegen, wo die Haushaltsvorstände Dietrich Bellingrath und Johann Herhausen, der mit Catharina Lutter, Urenkelin von Johannes Lutter verheiratet war. Die Kinder von Johannes Lutter hatten teilweise in begüterte Familien eingeheiratet- so etwa Johnnes Luther mit Catharina Schmidt, die Tochter des Handelsmann Peter Schmidt aus Anfang, später Drabenderhöhe (Der Sohn Christian Schmidt war später der Erbauer des Burghauses in Bielstein) und Christian Luther mit Anna Catharina Hackebracht, Tochter des Schultheiß Johann Georg Hackebracht, Besitzer des Burghauses in Börnhausen. In Auf der Schniffel verblieb Sohn Dietrich Lutter, verheiratet mit Catharina Jost aus Scheidt bis zu seinem Tode 1736. Dietrich Bellingrath errichtete 1745 das dritte Haus im Weiler. Das belegte der alte Türspruch „DIERICH BELLINGRATH VND ELS HOLLER ANNO DOM 1745 II VI“ am Eingang. Leider wurde das Haus im Jahre 2000 abgerissen. Wahrscheinlich existierte auch ein Bezug zur Familie Lutter. Johannes Lutters Tochter Margaretha heiratete 1691 Anton Bellingrath aus Bellingroth und zog dorthin. Wahrscheinlich stammt Dietrich Bellingrath aus dieser Familie und ist ein Bruder des Anton Bellingrath.

Haus Bellingrath 1975

Zeitweise lebte in Schniffel zwischen 1723 und 1727 noch ein Christian Dreibholz mit seiner Familie. Vermutlich war er mit dem homburgischen Kammerath Johann Heinrich Dreibholz verwandt, der Taufpate seines Sohnes war. Zwischen 1734 und 1744 hatte Johannes Höhler, Sohn des Albert Höhlers aus Scheidt seinen Wohnsitz im Weiler.

um 1830 aus einer Scheune umgebaut

Danach siedelten sich vorallem Kauf- und Handelsmänner in dem alten Viertel an. Vermutlich war die Lage an der Cölner Strasse und die Nähe der Zollstation an der bergisch-homburgischen Grenze dafür ausschlaggebend. Mit der Bezeichnung des Hauses Im Salzrümpchen wurde hier ein Salzdepot angelegt. Seit 1743 lebte die Familie des Handelsmann Johannes Schmidt in Schniffel. Ein weitere Kaufmannsfamilie Schmidt siedelte sich dort um 1744 an. Christian Schmidt, Sohn des Arnold Schmidt, stammte ursprünglich aus Hunstig und heiratete aus dem benachbarten Scheidter Viertel Spitzenburg Sibylla Getrud Stöcker. Ihr Sohn Johannes Christian war ebenfalls Kaufmann und auch Zöllner, wie aus einem Taufeintrag von 1789 hervorgeht. Dies ist einer der wenigen Belege, von namentlich bekannten Drabenderhöher Zöllnern, die an der nahen Grenze tätig waren. Arnold Schmidt musste ebenfalls nach Drabenderhöhe gezogen sein, da er 1744 hier beerdigt wurde. Über die Familie Schmidt ist das alte Haus an der Alten Kölner Strasse durch Heirat dann an die aus Jennecken stammende Familie Kauert übergegangen, die es bis zum Tode der letzten Nachfahrin vor einigen Jahren besessen hatte. In die Familie des Johannes Schmidt heiratete der aus Börlinghausen bei Marienheide stammende Caspar Dietrich von Schemm. Die von Schemms waren ebenfalls Kaufleute und hatten ihren Ursprung in Brüninghausen bei Lüdenscheid. Mit seiner Frau Maria Catharina Schmidt bewohnte er den Hauskomplex im Brunnenweg.

Häuser Puhl und von Schemm

Caspar Dietrich als auch sein Sohn Johannes Christian besetzen neben dem Handelsgeschäft auch die Stelle eines Munizipalrates (1809 und 1811). Vermutlich waren die beiden Gemeinderäte der von den Franzosen neu gegründeten Marie Much. Der letzte von Schemm, Wilhelm, ein Urenkel des Caspar Friedrich wurde sogar in den Drabenderhöher Kirchenchronik wegen seines ungewöhnlich auffälligen Verhaltens erwähnt. Von Schemm war um 1900 Handelsmann und Bergwerksbesitzer und erbte von seinem Vater Wilhelm Ferdinand 1899 ein sehr grosses Vermögen. Er war ein sehr streitsüchtiger Mensch, prozessierte gerne und war sehr unbeliebt im Dorf. Im schwarzen Cape zog er mit seinen Kumpanen durch die Gegend und legte sich mit jedem an. So auch mit Pastor Spandau, der angeblich 200 Reichsmark unterschlagen haben sollte. Bei Taufen und Trauungen, auf den einsamen Wegen von den Höfen nach Drabenderhöhe, tauchte der von Schemm immer wieder plötzlich auf und fragte Spandau nach dem Verbleib des Geldes. Letzenendes verlor von Schemm mit Spekulationen sein Geld, dass er schließlich auf Armenkosten in Bonn beerdigt wurde. Der einzige, der die Beerdigung begleitete, war der Kutscher Bellingrath, weil er ihm immer ein gutes Trinkgeld gegeben habe. Nach dem Tode Wilhelm von Schemms gründete im Schemmschen Anwesen Heinrich Kahlenberg aus Jöllenbeck bei Bielefeld und Albin Kraus aus Merans/Sachsen 1909 die „Drabenderhöher Bürstenfabrik“. 1919 wurde das Werk von Willi Schmitz und Hermann Holländer übernommen und unter dem Namen „Drabenderhöher Bürstenfabrik, Kahlenberg & Co.“ weitergeführt. Im gleichen Jahr trat Karl Schmitz als Kaufmannsgehilfe in die Firma ein und ersetzte 1923 seinen Bruder als Gesellschafter. 1932 wurde eine Hornwarenfabrik angegliedert. Die Fabrikation erstreckte sich auf Zubehörteile für Jagd- und Sportartikel, sowie Trillerpfeiffen. 1954 zog die Firma in die neuen Fabrikationsräume an der Zeitstrasse am Ortseingang um.

ältestes Haus Lutter, Schmidt & Kauert

Haus Lutter, Schmidt, Kauert im Winter 2010

Der Ausbau der Ortsteils setzte sich Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fort. So lebte der Kaufhändler Jacob Heinrich Kimpel dort, weiterhin die Brüder Christoph und Christian Peter Witscher (Landmesser bzw. Gastwirt in Anfang), sowie der Handelsmann Gerhard Klucke und der Branntweinbrenner Christian Thönes. Die Familien Witscher und Klucke heirateten wiederum in die Familie Schmidt ein. Als 1828 die Preussen die ersten Katasterkarten anfertigten, existierten in Schniffel bereits sieben Wohngebäude und vier Scheunen. Bis 1872 teilte man dann das Haus Witscher und baute die Scheune nördlich der Alten Kölner Strasse in ein Wohnhaus um. Ebenso wurden die Häuser Bellingrath und Puhl erweitert bzw. geteilt, so dass das Gebäudeensemble sich auf zehn Wohnhäuser vergrösserte. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lebten vorallem die Familien Bellingrath, Dannenberg, Diesem, Disselhoff, Höhler, Hühn, Kauert, Muth, Puhl, Schmidt, von Schemm und Witscher in Schniffel. Sie waren meist Bauern. Die Familie Witscher unterhielt seit 1875 eine Metzgerei, die von den Familien Schmidt, Noss und später Schick weiter betrieben wurde. In den 1960er bzw. 1970er Jahren betrieb die Familie Bellingrath ein kleines Lebensmittelgeschäft und die Familie Hans im Haus „Im Salzrümpchen“ eine Haushaltswarengeschäft. Im Jahre 1958 entstand auf dem Weg von Drabenderhöhe nach Verr der Aussiedlerhof „Löher Hof“, den Otto Hühn inmitten seiner landwirtschaftlichen Flächen ausserhalb des Dorfes erbaute und damit die Voraussetzung für eine Modernisierung und Vergrösserung seines Agarbetriebes schuf. Seinen Betrieb in Schniffel gab er auf.

Häuser Witscher/Schmidt & Hühn 1975

Heute bildet der Ortsteil Schniffel ein geschlossenes Fachwerkensemble mit insgesamt fünf seit 1981/1984 denkmalgeschützen Häusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.


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